Ein großer Bogen – das Frühjahrskonzert der HOV

Einen großen Bogen durch die musikgeschichtlichen Stile schlug die HOV bei ihrem Konzert am 11.4.2026 im Konzerthaus des NDR. Unter dem Titel „Mythos und Dichtung“ ging es um die großen Themen der Menschheit in der Sprache der Musik. Mit der Streichersuite aus der Oper „Dido und Aeneas“ von Henry Purcell erprobte Martin Lill eine besondere Klangsprache, die Streicher wechselten in die – ungewohnte – Spielweise des Barock mit durchaus historisch informiertem Ergebnis. In die Romantik entführte die Ouvertüre „Die Hebriden“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, die HOV zauberte wunderbar glitzernde, schaumgekrönte Wellen und herrliche Naturfarben. Bei der Sinfonischen Dichtung „Die Mittagshexe“ von Antonin Dvorak konnte es nach Kindergeschrei (meckernde Oboe) und Mutterzorn (Streicher- und Blechgetöse) mit dem Auftritt der Mittagshexe (Bassklarinette) schauerlich und gruselig werden. Mit der „Pavane pour une infante défunte“ änderten sich Klangfarbe und Harmonik zum Impressionismus, gemessen schreitend entfaltete sich der von Solohorn und Holzbläsern vorgetragene ergreifende Trauergesang mit großer Ruhe und in sich gekehrter Intensität. In den Orchestersuiten „Peer Gynt“ von Edvard Grieg zeigte die HOV dann ihre ganze klangliche Bandbreite. Vom jubelnden Frühlingsmorgen (Flöte) über donnernde Klanggewalt in Sturm und Höhle und Tänzen aus Orient und Afrika zeigte das Orchester auch tiefste Innigkeit, als insbesondere die Streicher ihrem Dirigenten Martin Lill bis ins leiseste, ersterbende Pianissimo zu folgen vermochten. Da hielt auch das Publikum zum Schluss den Atem an, bevor es mit stürmischem Applaus dankte und Martin Lill zu einer Zugabe in die Halle des Bergkönigs bewegen konnte.

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