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Hannover

Geschätzt als Geiger und Dirigent

Abschied von Lutz Wilhelm

Nach längerer, schwerer Krankheit starb im Alter von 71 Jahren der Geiger Lutz Wilhelm, den musikalischen Kreisen Hannovers sowohl als zweiter Konzertmeister des Opernhaus-Orchesters als auch als Dirigent der Hannoverschen Orchester-Vereinigung bekannt und von allen gleicherweise als Künstler wie als Mensch geschätzt. Der 1898 in Hannover geborene Musiker gehörte seit 1924 dem Opernhaus-Orchester Hannover als Kammermusiker an und rückte 1946 an die Stelle des zweiten Konzertmeisters auf.

Er genoß bei den Dirigenten, seinen Orchesterkollegen und beim Publikum ein hohes Ansehen. Als Kammermusiker ist er oft hervorgetreten. Einst war er auch Mitglied des Ladscheck-Quartetts.

Im Jahr 1946 übernahm Lutz Wilhelm als Nachfolger von Emil Taegener die Leitung der Hannoverschen Orchester-Vereinigung, jenes Liebhaberorchesters, das in all den Jahren in ihm einen idealen Dirigenten hatte. So sehr ihm ein geschultes Spiel der Laien am Herzen lag, so sehr lag ihm auch an Wiedergaben vom Niveau eines Berufsorchesters, sei es nach der klanglichen wie der stilistischen Seite hin. Oberstes Gesetz war ihm stets ein gerechtes und miterlebtes Musizieren. Einen besonderen Reiz erhielten diese alljährlichen sinfonischen Konzerte der Orchester-Vereinigung durch den Einbezug von wenig bekannten Werken.

Als perfekter Geiger konnte er den Laien viele Anregungen vermitteln. Seine Konzerte mit der Orchester-Vereinigung waren aus dem hannoverschen Musikleben gar nicht mehr wegzudenken. Nicht selten tauchten in seinen Programmen Raritäten auf, man erinnere sich nur an die Sinfonie von Berwald, das Kontrabaß-Konzert von Haydn, an Beethovens Jenaer Sinfonie oder Schuberts Sinfonie im italienischen Stil. Diese Kostbarkeiten unter Wilhelms temperamentvoller Leitung werden die Musici der Orchester-Vereinigung so schnell nicht vergessen, weil sie durch die pädagogischen Fähigkeiten des Dirigenten zu überdurchschnittlichen Leistungen geführt wurden. Auch gelang es dem Dirigenten immer wieder, für die Solokonzerte interessante Solisten zu gewinnen. Dabei lag ihm stets auch an der Förderung junger Talente.

Im Rahmen dieser Konzerte wurden die Besucher auch mit Musik der leichten Muse erfreut, wobei Wilhelm als Violinist und Dirigent wirkte. Die hannoverschen Musikfreunde haben allen Anlaß, diesen ausgezeichneten Geiger, Dirigenten und Pädagogen nicht zu vergessen.   H.H.


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   Stand 03. 02. 2011