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Dienstag, 19. Februar 2002
Mitreißender Nachwuchs
"Jugend musiziert": Vier Preisträger in Laatzen
Vier Solokonzerte nacheinander gibt es nur selten an einem Abend. Beim Konzert der Hannoverschen Orchestervereinigung in der Laatzener Immanuelkirche sollte diese Programmzusammenstellung nicht die einzige Überraschung bleiben. Das Orchester hatte sich unter der Leitung seines mit großer Übersicht agierenden Dirigenten Heinz Bethmann vier hochkarätige "Jugend musiziert" - Preisträger als Solisten gesichert.
Den Beginn machte Igor Levit mit Beethovens erstem Klavierkonzert. Bereits hier zeigte sich, dass die jungen Künstler mit der prächtig disponierten Orchestervereinigung einen guten Begleiter gefunden hatten. Bethmann ging das Allegro con brio zwar noch etwas behäbig und holzschnittartig an, folgte aber bald dem musikalischen Einfallsreichtum Levits, der sehr sorgsam, aber nahezu mühelos die Nuancen des Werkes herausarbeitete.
Als zweite Kandidatin stellte sich Ricarda Kindt mit Webers Klarinetten-Concertino op. 26 vor. Die Orchestervereinigung war mit Webers eher obligaten Begleitstimmen kaum gefordert und beschränkte sich aus musikalische Stichwortgeben. Kindt nutzte die Impulse zu einer Interpretation wie aus einem Guss. Sicher navigierte sie ihre Klarinette durch die halsbrecherischen Skalen, spannend spielte sie mit den häufigen Dynamikwechseln und vermochte durch kluge Atemtechnik größte
musikalische Bögen ohne Klangeinbußen auszuformen.
Dass sich der erst zwölfjährige Niklas Liepe an Bruchs Violinkonzert wagte, war an sich schon eine Sensation - dass er es so mitreißend bewältigte, war die zweite Überraschung. Wie dieser begabte junge Geiger erst mit Mitte zwanzig spielen wird? Das musikalische Sahnehäubchen setzte Claudius Müller dem Abend mit dem Hornkonzert von Richard Strauss auf. Schon mit dem eröffnenden Dreiklangsruf demonstrierte Müller technische Sicherheit und packenden Zugriff. Und diesen Ball nahm die Orchestervereinigung sofort auf und wurde nicht nur in den Dialogsequenzen mit Klarinette und Fagott zum hinreißenden musikalischen Diskussionspartner des Solisten.
Müllers stets fokussierter Ton sowie sein vorwärts drängendes Musizieren rissen (trotz einer minimalen Unkonzentriertheit am Schluss des Andantes) das Publikum einfach mit, das sich bei der Orchestervereinigung und den jungen Solisten mit viel Applaus für einen ungewöhnlichen Konzertabend bedankte. Er bewies zudem, dass man sich hier zu Lande trotz Pisa-Studie zumindest um den musikalischen Nachwuchs keinerlei Sorgen zu machen braucht. Stefan Mauß (HAZ)
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