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Hannover |
Kritik des Konzertes vom 10.10.1898
Konzert des "Kameradschaftlichen Orchester-Vereins". Mit einem verhältnismäßig schwerwiegenden Programm begegneten die der Frau Musika mit sichtlichem Ernst und Fleiß ergebenen Kunstjünger - als die Mitglieder obigen Vereins - einer äußerst zahlreich erschienenen Zuhörerschaft, die den Tivolisaal bis auf den letzten Platz in Anspruch nahm. Mozarts gewaltige Jupiter-Sinfonie in C-Dur mit der Schlußfuge bildete die Einleitung und zugleich den künstlerischen Schwerpunkt des Konzertes, das außerdem noch den I. Satz aus Mendelssohns D-moll-Trio op. 49. Klaviersolis, die Serenade für Streich-Orchester op. 63 von Volkmann und als Abschluß nichts Geringeres als den "Huldigungsmarsch" von Rich. Wagner aufwies.
Herr Rich. Keitel, der jugendliche Dirigent des Vereins, hat auch mit den diesmaligen, höchst respektablen Leistungen des Orchesters zur Genüge bewiesen, daß das zu seinem erwählten Berufe nötige Zeug in ihm steckt. Die Eigenschaften eines guten Kapellmeisters müssen sehr vielseitiger Natur sein. Echtes Musikerblut, angeborenes musikalisches Talent sind die Vorbedingungen; diese werden dann ergänzt durch die sich nach und nach einstellende Routine, Umsicht und ein absolutes Selbstvertrauen.
Mit den angeführten Mitteln kann Herr Keitel schon jetzt stellenweise rechnen, das zeigte die schöne Auffassung der (auch technisch gut ausgeführten) Orchesterpiecen, die Temponahme der letzteren, überhaupt das ganze selbstbewußte Auftreten des Dirigenten, der übrigens auch als Pianist staunenswerthe Fortschritte gemacht hat. Wir hörten von ihm ein Nocturno (Des-Dur) von Chopin und eine Tarantelle von N. Rubinstein, die er mit ausdrucksvollem Anschlag, perlender Technik und der erforderlichen physischen Kraft bewältigte. Die naturgemäß noch fehlende Größe in Auffassung und Empfindung wird sich mit den Jahren bestimmt einstellen.
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| Hannover |
Kritik des Konzertes vom 10.10.1998
Ein Konzert der besonderen Art bot am Sonnabend abend die Hannoversche Orchestervereinigung in der Aula des Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasiums. Noch bevor die erste Note erklungen war, verlas der Moderator Ernst-Erich Buder bereits die Kritik. Ein verhältnismäßig schwerwiegendes Programm fleißiger Kunstjünger sei es gewesen, der Pianist habe Fortschritte gemacht, aber echte Größe würde sich erst mit den Jahren einstellen.
Daß die etwa 250 Konzertbesucher diese Unverfrorenheit dennoch mit Gelächter quittierten, lag daran, daß die Zeit den einstmals ätzenden Verriß zur Schmonzette degradiert hatte. Nicht nur das klassische Musikprogramm war genau 100 Jahre alt, auch die Konzertkritik war ein Relikt vergangener Tage, stammte sie doch aus dem "Hannoverschen Anzeiger" vom 12. Oktober 1898.
Für Kritik gab es an diesem Abend keinen Anlaß - befanden die Besucher und bedachten das Orchester und die Solisten Christiane Frucht (Klavier), Helge Amtenbrink (Violoncello) und Joachim Frucht (Violine) mit viel Applaus.
Am 10. Oktober 1898 hatte der Orchesterverein eine Mark Eintritt verlangt - soviel, wie ein Büroschreiber damals an einem Tag verdiente. Auch am Sonnabend blieb es bei diesem Eintrittsgeld, allerdings wurden auf jede Eintrittskarte 19 Mark als Spende für die HAZ-Weihnachtshilfe aufgeschlagen. Insgesamt kamen rund 4000 Mark in die Kasse, auch begünstigt dadurch, daß die Firmen Poppdruck und die Deutsche Städte-Reklame die Veranstaltung gesponsert hatten. Den estnischen Konzertflügel für Christiane Frucht hatte der hannoversche Klavierstimmer Gerd Finkenstein kostenlos bereitgestellt. Den Transport des schwarzgelackten Klangkörpers von Tallin nach Hannover organisierte die Spedition Hoffmann. dl (HAZ)
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