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11.10.2011 |
Sibriger Ton |
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29.11.2010 |
Rosen zum Abschied |
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12.04.2010 |
Nachwuchs für Bayreuth |
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26.10.2009 |
Böhmische Wallung |
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23.03.2009 |
Funkelndes Duett |
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24.11.2008 |
Im Gedenken |
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22.09.2008 |
Immanuelkirche wird zum Orient-Express |
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31.03.2008 |
Mit leichter Hand |
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15.10.2007 |
Auf der Tonspur |
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29.03.2007 |
Mit Anmut |
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27.11.2006 |
Russisches Allerlei |
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30.03.2006 |
Musik für die Augen |
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22.11.2005 |
Aus der neuen Welt |
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27.09.2004 |
Der Sonne entgegen |
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11.05.2004 |
Sphärische Solidarität |
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23.03.2004 |
Fit im Alter |
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23.03.2004 |
Bethmann-Beethoven zum Geburtstag |
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29.11.2003 |
Frisch, charmant, bezaubernd |
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21.09.2003 |
Generation Wolf |
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18.03.2003 |
Lieder vom Frühling |
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10.03.2003 |
Paukendonner und Streicherfortissimo |
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02.12.2002 |
Die Polizei als Chor - einfach mitreißend |
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24.09.2002 |
Spanischer Marathon |
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19.02.2002 |
Mitreißender Nachwuchs |
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1999 |
Orchestervereinigung feiert mit Antje Weithaas |
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1997 |
Ein Klavier im Brunnen |
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1994 |
Biß der Celli |
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1994 |
Orchestervereinigung fährt nach Polen |
| Hannover |
Montag, 11. Oktober 2011
Silbriger Ton
Pianist Hinrich Alpers brilliert in Hannover
Dem aus Hannover stammenden Pianisten Hinrich Alpers eilt der Ruf voraus, einer der bemerkenswertesten Künstler seiner Generation zu sein.
Belegt wird dieser Eindruck unter anderem dadurch, dass der 1981 geborene Musiker 2009 den internationalenTelekomBeethovenWettbewerb Bonn gewonnen hat.
Dass er sich vor bereits wesentlich bekannteren Pianisten wie Martin Helmchen oder Pierre-Laurent Aimard nicht zu verstecken braucht,
zeigte er jetzt bei einem eindrucksvollen Auftritt im Großen Sendesaal des NDR. Beim alljährlichen Konzert der Hannoverschen
Orchestervereinigung im Landesfunkhaus beeindruckte er mit Dvoráks Klavierkonzert in g-Moll. Schon im ersten Satz überraschte Alpers
mit Passagen von fast impressionistischer Schönheit, so klar, so farbenreich, so voller Nuancen gestaltete er Dvoráks romantisch-schwelgerische Musik.
Mit zartem, silbrigem Ton spielte er das Thema des 2. Satzes, mit brillantem Furor raste er durch das Finale.
Es spricht ebenso für die Qualität des Solisten wie der von Martin Lill geführten Orchestervereinigung, dass beide in diesem Werk,
in dem Solopart und Orchester stärker als sonst ineinander verwoben sind, so gut harmonierten.
Schon zu Beginn des Konzerts hatte die Orchestervereinigung, ein Laienorchester auf hohem Spielniveau, mit ihrem vollen, gut austarierten Orchesterklang
bei einem Walzer aus Aram Chatschaturjans Maskerade-Suite überrascht.
Im klassischen Musikbetrieb gehört es sich nicht, zwischen einzelnen Sätzen zu klatschen. Als das mehrmals der Fall war, war der Unmut darüber spürbar.
Man kann den Zwischenapplaus jedoch als Kompliment dafür sehen, wie dieses Konzert bei vielen Zuhörern ankam.
Jutta Rinas (HAZ)
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| Hannover |
Montag, 29. November 2010
Rosen zum Abschied
Die Hannoversche Orchestervereinigung ehrt ihren langjährigen Dirigenten Heinz Bethmann
Stilistische Vielfalt im weiten Feld von klassischer und nichtklassischer Musik, dazu die Förderung des künstlerischen Nachwuchses zählen
zu den Gütesiegeln der Hannoverschen Orchestervereinigung. Beide Eigenheiten prägten auch das Abschiedskonzert des seit vierzig Jahren
amtierenden Dirigenten Heinz Bethmann, der nun seinem Nachfolger Martin Lill ein auf rund 80 Aktive angewachsenes Ensemble mit einem
beachtlichen Potenzial übergibt. Im sehr gut besuchten großen NDR-Sendesaal herrschte drei Stunden lang ausnahmslos gute Laune.
Nicht wehmütige Abschiedsstimmung, sondern Gratulation von allen Seiten prägte das Geschehen. Zu den Gratulanten gehörte zuallererst
das zwischen Fledermaus-Ouvertüre von Johann Strauß und Finlandia von Jean Sibelius spielfreudig agierende, bei einer Melodienfolge
aus "Jesus Christ Superstar" oder einem filmischen Panorama aus "Fluch der Karibik" satt aufspielende Orchester. Jedes Orchestermitglied
dankte zum Abschied mit einer Rose, worauf Heinz Bethmann flugs den Dirigentenstab gegen eine Rose eintauschte.
Gratuliert wurde Heinz Bethmann aber auch von Solisten, Gästen und von der Moderatorin Viola Gebhardt.
Dabei erinnerte der Violoncellist Gottfried Roßner mit einem Dvorak-Rondo an Bethmanns Debüt am 10. Mai 1970, das mit zwei slawischen Tänzen begann.
Perfektes Solospiel auf zwei Ebenen servierten die Geigerin Agata Szymczewska und die Klarinettistin Katharina Arend.
Erstere füllte Beethovens F-Dur Romanze mit untadeligem Ausdruck, und die Klarinettistin färbte Artie Shaws Konzert mit fetziger Swinglaune.
Die Hannoversche Orchestervereinigung begleitete konzentriert und hatte genügend Reserven, vor der breitwandigen Finlandia-Dichtung auch
die Musical-Sängerin Bianca El-Mabrouk zu unterstützen.
Dirigent und Orchester durften sich entspannt zurücklehnen, als die Hannover Harmonists sowohl mit einer Rossini-Ouvertüre
als auch mit ausgewählten Beatles-Songs Kostproben kultivierten A-cappella-Gesangs servierten. Im berühmten "Yesterday" wurden die
Stimmen von den Instrumenten vortrefflich untermalt. Viel Jubel und Ovationen im Stehen.
Ludolf Baucke (HAZ)
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| Hannover |
Montag, 12. April 2010
Nachwuch für Bayreuth
Der Richard-Wagner-Verband Hannover feiert seinen 100. Geburtstag - mit einem Festkonzert und ganz viel Wagner
Wagner und die Frauen, davon konnten nicht nur Richard Wagners Ehefrauen Minna und Cosima ein Lied singen.
Frauen erhoben ihre Stimme auch, um das Werk des Bayreuther Meisters zu verbreiten.
1909 gründete die bis dahin unauffällige Lehrerin Anna Held in Leipzig den "Richard Wagner Verband Deutscher Frauen".
Ein Jahr später, am 22. Februar 1910, scharte Olga Tramm, die Gattin des Stadtdirektors Heinrich Tramm, 40 Damen der Gesellschaft
um sich und gründete den Ortsverband Hannover. Da passt es, dass am Sonnabend der 100. Geburtstag des Richard-Wagner-Verbands Hannover
von 11.30 Uhr an mit einem Festakt im Neuen Rathaus, Trammplatz 1, gefeiert wird. Das Festkonzert um 19.30 Uhr
(unter anderem mit der Hannoverschen Orchestervereinigung) erklingt allerdings im Großen Sendesaal des NDR.
Hannover, Wagner und die Frauen, das gehörte lange Jahre zusammen.
Die Reichsvorsitzenden kamen durchwegs aus Hannover.
Und selbst als der Verein 1949 auf seiner ersten Bundestagung in Hannover (wo sonst) auf die Geschlechterbeschränkung verzichtete,
war der Richard-Wagner-Verband von führenden Frauen bestimmt: Mercedes Bahlsen, Ilse Michaelis oder Eva Märtson prägten den Ortsverband
und den Gesamtverein. Eva Märtson ist mittlerweile Präsidentin des Internationalen Richard-Wagner-Verbands.
In Hannover ist derzeit ein Mann an der Spitze: Gunnar Lundin, der seine knapp 250 Verbandsmitglieder vor Ort als "Musikliebhaber" beschreibt,
die jedoch keine Puristen seien. Mit den Bayreuther Festspielen hat der Verband formal nichts zu tun.
Wenn man von der selbst gestellten Aufgabe absieht, jedes Jahr Stipendiaten ans Werk Richard Wagners heranzuführen.
In Bayreuth natürlich. Schließlich sind die Ziele des Verbandes, "das Verständnis für das Werk Richard Wagners zu wecken
und zu vertiefen", die von Richard Wagner selbst angeregte Stipendienstiftung zu unterstützen und "den künstlerischen Nachwuchs zu fördern".
Entsprechend stolz ist man, wenn einstige Stipendiaten wie etwa der Dirigent Cornelius Meister Karriere machen (nicht nur, aber auch mit Wagners Werk).
Wer in Bayreuth mitsprechen will, der muss sich schon in der Gesellschaft der Freunde Bayreuths engagieren, die Mitgliedschaft
im Richard-Wagner-Verband bringt, so Gunnar Lundin, nicht einmal Vorteile beim Kartenbezug. Aber mitreden kann und will man,
wenn es um Werk und Werkdeutung geht. Kammersängerin Marie-Louise Gilles etwa, die für die künstlerische Gestaltung der
Verbandsarbeit zuständig ist, schätzt "Regie-, aber nicht Regisseurtheater". Immerhin war die einstige Professorin an der
hannoverschen Musikhochschule nicht nur als Opernsängerin, sondern auch als Opernregisseurin erfolgreich.
Am Sonnabend wird sie durch das Festkonzert führen. Das beginnt mit dem "Einzug der Gäste" (aus Wagners "Tannhäuser").
Aber auch Wagners "Huldigungsmarsch" an Ludwig II. darf nicht fehlen. Auch dabei ging es letztlich ums Geld, das Richard Wagner brauchte.
Rainer Wagner (HAZ)
Leitmotiv: Förderung
Der Wagner Verband Hannover feiert 100-jähriges Bestehen
Ganz in diesem Sinne steht auch das opulente Festkonzert, das der Verband am Abend zusammen mit der Hannoverschen Orchestervereinigung
im Großen Sendesaal des NDR ausrichtet. Die Musikliebhaber und das Liebhaberorchester stellen dabei ein Programm auf die Bühne,
das bewusst auf Ohrwürmer setzt. Hierzu legen sich auch der Hannoversche Oratorienchor und der Extrachor der Staatsoper gewaltig ins Zeug
und absolvieren ein machtvolles "Wacht auf" aus den "Meistersingern" und ein frisches "Steuermann, lass die Wacht" samt Fußstampfchoreografie.
Das 85-köpfige Orchester wirft sich unter Heinz Bethmanns zupackender Leitung mit grollender Leidenschaft in Siegfrieds Trauermarsch
und macht kleinere Ausrutscher mit disziplinierter Klangkultur und höchstem Engagement vergessen.
Bariton Albrecht Pohl stimmt dann ein betörendes "Lied an den Abendstern" an, und Sopranistin Betsy Hörne träumt
"Einsam in trüben Tagen" aus dem "Lohengrin". Die Kalifornierin ist bester Beweis für die Wirksamkeit der Förderungsidee,
war sie doch selbst Stipendiatin der Richard-Wagner-Stipendienstiftung.
Im Festkonzert jedenfalls rührt und beeindruckt sie mit traumverlorener Stimmschönheit und glasklarer Ausdruckskraft.
Andre Mumot (NP)
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| Hannover |
Montag, 26. Oktober 2009
Böhmische Wallung
NDR: Die Hannoversche Orchestervereinigung feiert
Es geht ein Raunen durch das Publikum, als die ersten Töne der Zugabe erklingen. Beethovens "Für Elise" beschert natürlich sofort den Wiedererkennungseffekt -
und doch wieder nicht. Diese kleine Fingerübung, diese unendlich oft gehörte Klischeemelodie, wird unter den zögerlichen Fingern von Igor Levit zur
geheimnisvollen, fragenden, melancholischen Schönheitserkundung, die einen verdienten Beifallssturm auslöst.
Der 22-jährige Pianist, der mit Größen wie Lisa Batiashvili und Mischa Maisky Kammermusik macht, der mit dem Israel Philharmonie Orchestra und der
NDR Radiophilharmonie Hannover auftritt, ist der Stargast an diesem Abend. Zusammen mit der Hannoverschen Orchestervereinigung spielt er Beethovens
fünftes Klavierkonzert. 2002 hatte er, damals noch am Anfang seiner Karriere, schon einmal mit diesem Klangkörper konzertiert.
Auch damals mit Beethoven - dem ersten Konzert für Klavier. Diesmal, beim machtvollen Fünften, zeigt der Virtuose, was in ihm steckt.
Temperamentvoll entfaltet er Sturm und Triumph und formt mit unwiderstehlicher Sanftheit die leisen Gedanken des Werkes zu echten Sehnsuchtsinseln.
Aber es ist für alle Beteiligten ein besonderer Abend im Großen Sendesaal des NDR, denn die Hannoversche Orchestervereinigung besteht,
als ambitioniertes Laienorchester auf hohem Spielniveau, nun seit 135 Jahren. Das Jubiläum nutzen die 80 Musiker für ein klassisch aufgebautes Programm.
Neben Beethovens üppigem Konzert entfaltet Mendelssohns "Meeresstille und glückliche Fahrt" schimmernde Klangfarben und sorgt für einen stimmungsvollen Einstieg.
Zur vollen Entfaltung kommt das Orchester bei Antonin Dvoraks Achter Symphonie. Ein ideal gewähltes Stück, denn hier kann sich die ganze Leidenschaft
der Musiker in ausgreifenden Melodien und mitreißenden Rhythmen ausleben. Kleine Pannen stören dabei nicht im Geringsten.
Dirigent Heinz Bethmann, der seit 39 Jahren die Konzerte der Orchestervereinigung leitet, sorgt für Übersicht, für Feuer und interpretatorische Akzente,
sodass ein nahezu ausverkaufter Sendesaal in erhebliche böhmische Wallungen gerät. Langer Applaus.
André Mumot (HAZ)
Romantische Wärme im Sendesaal
HANNOVER. Hätten Sie gewusst, was eine Ophiklaide ist? Nur für zwei Jahrzehnte wurde das tief tönende Blechblasintrument im 19. Jahrhundert im Orchester eingesetzt,
dann wich es der Tuba. Zu erfahren war dies beim Konzert der Hannoverschen Orchestervereinigung im Großen Sendesaal des NDR.
Auf dem Programm standen romantische Klassiker: Mendelssohns Ouvertüre "Meeresstille und glückliche Fahrt", Dvoraks achte Sinfonie und Beethovens fünftes Klavierkonzert.
Die Mitglieder der Orchestervereinigung musizierten auf hohem Niveau. Vor allem die Bläser stachen mit guter Intonation ins Ohr, die Streicher meisterten auch die
technisch oft sehr anspruchsvollen Passagen überzeugend. Ein runder und warmer Gesamtklang schmeichelte dem Ohr. Deutliche Gegensätze vermeidend,
leitete Heinz Bethmann die Aufführung.
Highlight war Pianist Igor Levit. Technisch brillant, mit wunderbarer Anschlagskultur zelebrierte er Beethovens Es-Dur-Konzert.
Als Zugabe beglückte er das Publikum mit einer fein ziselierten Interpretation von Beethovens. "Für Elise" - doch kein Stück nur für den Klavierunterricht.
mmf (NP)
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| Hannover |
Montag, 23. März 2009
Funkelndes Duett
Die Hannoversche Orchestervereinigung im KWRG
Für versteckte Sinfonik ist die seit 1970 von Heinz Bethmann geleitete Hannoversche Orchestervereinigung eine gute Adresse.
Beim Frühlingskonzert im Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnäsium (KWRG) brillierte die Orchestervereinigung gleich mit zwei Raritäten.
Als Werk eines 18-Jährigen kündet Giacomo Puccinis "Preludio Sinfonico" vom geschmeidigen Melodienfluss des späteren Opernkomponisten.
Verwickelter ist die Geschichte von Edvard Griegs einziger Sinfonie. Der Norweger komponierte sie als 20-Jähriger, zog sie aber später zurück.
Im Manuskript findet sich sogar der Vermerk "Darf nicht aufgeführt werden", was aber weder Musiker noch Verleger daran hinderte, das Werk zu veröffentlichen.
Die Hannoversche Orchestervereinigung präsentierte Griegs viersätzige c-Moll-Sinfonie klangschön und balancierte Nuancen zwischen Bläsern und Streichern sorgfältig aus.
Dem mit Pauken und Trompeten lärmenden C-Dur-Schluss allerdings konnte das Orchester nicht entrinnen. Da bestätigen sich Griegs Vorbehalte.
Der zweite Teil des gut besuchten Abends galt dem Engagement hoffnungsvoller Solisten.
Der dem Laienorchester seit seinem zwölften Lebensjahr verbundene Geiger Andrej Bielow und der aus dem Szymanowski-Quartett bestens bekannte
Bratscher Vladimir Mykytka musizierten Mozarts "Sinfonia concertante". Sie warfen sich die Bälle elegant zu und konnten sich auf das aufmerksam
stützende Ensemble verlassen.
Liebhaber funkelnden Duettierens hatten ihr Vergnügen - auch in der zugegebenen Passacaglia von Händel-Halvorsen.
Ludolf Baucke (HAZ)
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| Hannover |
Montag, 24. November 2008
Im Gedenken
Hannoverscher Oratorienchor in der Markuskirche
Sie gedachten auch einer Sängerin, die bei dem Busunglück am 4. November auf der A 2 ums Leben gekommen war:
Eindringlich und ergreifend gestaltete der Hannoversche Oratorienchor zusammen mit der Hannoverschen Orchestervereinigung in der Markuskirche das Requiem von Luigi Cherubini.
Das Werk erklang erst zum Abschluss des von Peter Marino geleiteten Gedenkkonzertes, doch wirkte es in seiner Gesamtheit wesentlich stärker als zuvor Beethovens Egmont-Ouvertüre und die Missa canonica von Johannes Brahms.
Cherubinis aus der Tiefe emporsteigende, zu Beginn des dramatischen „Dies irae" mit einem einzigen Tamtamschlag aufrüttelnde und schließlich sanft endende Musik war bei Chor und Orchester bestens aufgehoben.
Und zwar so gut, dass nicht nur ein dreiviertelstündiger Bogen gespannt, sondern auch Beethovens Wertschätzung bestätigt wurde.
Es lohnte, dieses Requiem zu hören, und es lohnt für Laienchöre, sich regelmäßig von Luigi Cherubini inspirieren zu lassen.
Ludolf Baucke (HAZ)
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| Laatzen |
Montag, 22. Oktober 2008
Immanuelkirche wird zum Orient-Express
ALT-LAATZEN. Eine musikalische Reise entlang der Strecke des Orient-Expresses haben die rund 200 Besucher des Benefizkonzerts der Hannoverschen Orchestervereinigung am Freitag-
abend erlebt. In der Immanuelkirche spielten die 80 Musiker unter der Leitung von Heinz Bethmann klassische Stücke von Komponisten, die entlang der Fahrtroute des berühmten Zuges gewirkt haben. Die Spendeneinnahmen für den Auftritt sollen der notwendigen Renovierung der Hammer-Orgel zugutekommen.
Die musikalische Reise begann thematisch passend zum Abfahrtsort London mit dem Knightsbridge March auf der London Suite. An der Haltestelle Paris erklang ein Stück aus der Oper "La Boheme". In Wien spielte die Hannoversche
Orchestervereinigung verschiedene Paartänze von Felix Mendelssohn, Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Strauß. Die Reise endete, wie die Strecke des Zugs, in Istanbul.
Zudem traten zwei junge Solistinnen im Programm auf: Sopranistin Mareke Freudenberg und die preisgekrönte Violinistin Solenne Paidassi gestalteten einige Stücke mit den Musikern. Für ihren ersten Auftritt in der Immanuelkirche seit rund sechs Jahren bekam die Vereinigung viel Applaus.
André Nowak (Laatzener Leinebote)
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| Hannover |
Montag, 31. März 2008
Mit leichter Hand
Agata Szymczewska in der Markuskirche
Für gewöhnlich wird die hannoversche Markuskirche eher von Kirchenliedern und andächtiger Stille erfüllt, doch sorgte der Auftritt von Agata Szymczewska dafür, dass tosender Beifall und Fußgetrampel den Raum zum Beben brachte, sogar begeistertes Pfeifen war zu hören.
Die 23-jährige Polin, die als Gewinnerin des Gundlach Musikpreises zwei Jahre von Krysztof Wegrzyn an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover Unterricht wurde, begeisterte als Sologeigerin mit Unterstützung der Hannoverschen Orchestervereinigung (Leitung: Heinz Bethmann) die ausverkaufte Markuskirche. Und das nicht nur, weil sie die technischen Schwierigkeiten von Ludwig van Beethovens Violinkonzert D-Dur, op. 61 leichthändig meisterte. Vor allem mit ihrem Gespür für die Musik, für feinsinnige, fast kammermusikalisch wirkende Zusammenhänge überzeugte die zierliche junge Frau ihr Publikum. Erst nach zwei Zugaben durfte sie die Bühne verlassen.
Anschließend brillierte die Orchestervereinigung mit der hannoverschen Erstaufführung von Richard Strauss' Sinfonie Nr. 2 f-Moll, op. 12. Das Stück, das Strauss als 19-Jähriger schrieb, enthält viele Anklänge an Zeitgenossen, zeugt aber auch von Originalität und einer virtuosen Beherrschung dieser Form. Auch hier: viel Applaus.
Regine Pagel (HAZ)
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| Hannover |
Montag, 15. Oktober 2007
Auf der Tonspur
Die Orchestervereinigung spielt Filmmusik
Wie mischt man Beliebtes ohne beliebig zu werden? Wie reiht man einen
Höhepunkt an den anderen? Die Hannoversche Orchestervereinigung zeigt, wie
es geht. "Film ab!" nannten Dirigent Heinz Bethmann und sein Orchester diese
Tat im voll besetzten Großen Sendesaal des Funkhauses Hannover. Was sich das
Orchester auch immer an Noten auf die Pulte legte, der Erfolg stellte sich
verlässlich ein. Natürlich halfen dabei Popularität und Erkennungswerte der
Titel. Doch das Beste war, wie sich die Orchestervereinigung präsentierte:
fit in allen Instrumentengruppen (mit teils sehr beachtlichen
Solobeiträgen), gewappnet mit melodischem Schmelz und rhythmischem Pep. Da
ertönten beispielsweise die "20th-Century-Fox-Fanfare", Themen aus "James
Bond" und "Miss Marple", "Der Pate" und "Fluch der Karibik". Natürlich
fehlten auch die Ohrwürmer aus "Schindler's Liste","Harry Potter" und
"Titanic" nicht.
Moderator Rudolf Krieger berichtete von Musik-Oscars und von den
immensen Verdienstmöglichkeiten in der Branche der Filmmusik. Recht
gewöhnungsbedürftig sang Gesangssolistin Christa Platzer "Cabaret" und "Over
the Rainbow", bevor sie dann mit "Big Spender" aus dem Film "Sweet Charity"
zu Recht punktete. Und Katharina Ahrend, Soloklarinettistin der Staatsoper,
machte mit dem bezaubernd gespielten langsamen Satz aus Mozarts
A-Dur-Klarinettenkonzert mal wieder beste Werbung für "Jenseits von Afrika".
Laut und leise, schmissig und verträumt: Wie immer sie spielten, Heinz
Bethmann und die Orchestervereinigung konnten sich über mangelnden Beifall
nicht beklagen. Und auch nicht über mangelndes Pfeifen im Publikum: Doch das
galt nicht ihnen, sondern bei den Zugaben der Melodie des
"River-Kwai-Marsches".
Günter Helms (HAZ)
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| Hannover |
Montag, 19. März 2007
Mit Anmut
Die Hannoversche Orchestervereinigung in der St.-Marienkirche
Laienensembles wollen gern große Werke kennenlernen. Mit der dritten Brahms-Sinfonie allerdings wagte die Hannoversche Orchestervereinigung in der St.-Marien-Kirche einen Klimmzug, der den Dirigenten Heinz Bethmann, die Instrumentalisten und das Publikum gleichermaßen strapazierte, wenn nicht gar überforderte. Undifferenziert dirigiert und ohne Raffinessen der Übergänge von Takt zu Takt durchgespielt präsentierte sich diese Sinfonie nicht als Meister-, sondern als Stückwerk.
Da glückte die Uraufführung zu Beginn besser. Harald Weiss hatte ihnen aus seinem Quartett "Stille Mauern" ein "Gebet" destilliert, das sich mit sanft fließenden Streicherklängen ganz auf Beschaulichkeit ausrichtete. Die Orchestervereinigung konnte sich von zarten Akkordbändern mit behutsam gezupften Basstönen über ein geschmeidiges Violinsolo bis zu den atmenden Schlussakkorden ganz dem kontemplativen Charakter hingeben.
In Beethovens viertem Klavierkonzert vereinigten sich Lust am Kennenlernen und Förderung des Nachwuchses. Als Solistin war die Japanerin Natsumi Ohno aus Bernd Goetzkes Klavierklasse an der hannoverschen Musikhochschule verpflichtet. Diese im Rahmen ihrer Konzertreifeprüfung musizierende Pianistin ließ in mehrfacher Hinsicht aufhorchen. Sie kostete die lyrischen Passagen aus und verzichtete auf vordergründigen Tastendonner. Läufe und arpeggierte Akkorde wurden so anmutig gezeichnet, dass sich immer wieder kammermusikalische Assoziationen einstellten. In der etwas schwammigen Akustik des weiten Kirchenraums war das eine fasziniert applaudierte Meisterleistung.
Ludolf Baucke (HAZ)
Hörerreaktionen auf diese Kritik
Frühlingsfarben
L. Bauckes Konzertkritik (HOV, 17.3.07) lobt die Pianistin Natsumi Ohno (zu Recht) als anmutig spielende, kammermusikalisch agierende Solistin, vom Publikum frenetisch gefeiert. Auch H. Weiß'"Gebet" wird vom Verfechter Neuer Musik als hörenswert eingestuft - trotz einer geradezu eintönig angelegten Streicherkulisse, die auch ein daraufgesetztes Violinsolo nicht beleben kann: die Instrumentation bleibt farb-, ja einfallslos.
Brahms schwierige 3. Sinfonie blühte dagegen in voller Pracht: der warme Orchesterklang in den gut besetzten Streichern, sicher durch alle Klippen von ihrem erfahrenen Dirigenten Heinz Bethmann geleitet, ergänzte hervorragende Einzelleistungen besonders in den Holzbläsern - von "Stückwerk" oder gar "Strapazen" für das Publikum war nichts zu spüren - im Gegenteil: es war begeistert und wünschte sogar eine Zugabe!
Der engagierten HOV und ihrer Solistin ist zu danken für ein inspirierendes Konzerterlebnis.
Bitte veröffentlichen Sie meinen Leserbrief. Danke im voraus!
MfG Sabine Reich
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bitte um Veröffentlichung des nachfolgenden Leserbriefes!
Mit freundlichen Grüßen
Christian Rath
Ungerechtfertigte Schelte für Bethmann und seine Hannoversche Orchestervereinigung
In zwei Punkten stimme ich der Einschätzung von Herrn Baucke zu: 1.: die Uraufführung vom "Gebet" von Harald Weiß war geglückt, was die Leistung des Orchesters anbelangt (die Komposition allerdings wirkte auf mich als Zuhörer eher weniger euphorisch, als auf Herrn Baucke: ich empfand sie einem Gebet angemessen: andächtig, nicht mehr und nicht weniger). 2. Die Pianistin Natsumi Ohno dürfte mit Ihrer beeindruckenden Interpretation des 4. Beethoven´schen Klavierkonzerts auch vor den Ohren der Prüfungskommission die Konzertreifeprüfung ohne Zweifel - auch Dank einer gleichermaßen soliden und lustvollen Orchesterbegleitung und -leitung - bestanden haben.
Ganz und gar nicht teile ich allerdings die Meinung von Herrn Baucke zu Brahms 3. Sinfonie! Ich fühlte weder mich strapaziert noch das Orchester oder den Dirigenten überfordert. Gar von Stückwerk zu sprechen, wird weder Orchester noch Dirigent gerecht. Im Gegenteil: es war eine wahre Freude, mit welch Engagement und Spielfreude sowohl die Streicher als auch die Bläser (insbesondere das Holz) zu Werke gingen. Zugegeben: das Dirigat von Heinz Bethmann ist unspektakulär, aber allemal sicher. Und natürlich kann Herr Bethmann das Leistungsvermögen seines Orchesters richtig einschätzen: mit dieser Sinfonie hat er sein Orchester sicher an die Grenze das Machbaren herangeführt und das Laien(!)-Orchester hat diese Aufgabe dankbar angenommen und gemeistert! Lieber Herr Baucke: es haben nicht die Berliner Philharmoniker gastiert!
Ich hatte einen Platz in der 3. Reihe und konnte - im Gegensatz zu Herrn Baucke - keine schwammige Akustik feststellen. Vielleicht hat Herr Baucke in der Kirche ja einen derart ungünstigen Platz gehabt, dass dessen Akustik ihm den Brahms so vermasselt hat.
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| Hannover |
Montag, 27. November 2006
Russisches Allerlei
Die Hannoversche Orchestervereinigung in der Markuskirche
Seit Jahren zeigt sich die Hannoversche Orchestervereinigung ausgesprochen reisefreudig, wenn es um die Zusammenstellung ihrer Konzertprogramme geht. In der hannoverschen Markuskirche ging's nun nach Russland. Dirigent Heinz Bethmann hatte für seinen hochmotivierten Klangkörper einen bunt gemischten Klangstrauß aus "Russischen Favoriten" zusammengestellt. Nach der Eröffnungsszene aus Tschaikowskys "Schwanensee" zeigte sich aber spätestens in Mussorgskis "Nacht auf dem kahlen Berge", dass Russland klanglich nicht so leicht zu bereisen ist wie der Mittelmeerraum.
Natürlich wurde auch die russische Oper nicht vergessen, wobei Henning Thorwalds Bariton für den Jeletzky aus Tschaikowskys "Pique Dame" noch zu raustimmig klang. Dörte Blase zeigte mit Rachmaninows "Vokalise" wie man eine Sopranstimme bruchlos durch die Register gleiten lässt, während ihre Schwester Heidrun mit Tschaikowskys "Jeanne d'Arc" eine Lanze für ein leider viel zu selten gespieltes Werk brach.
Höhepunkt des Abends war aber der Auftritt der Gewinnerin des Posener Wieniawski-Wettbewerbs, Agata Szymczewska. Die 21-jährige Geigerin zauberte in Rimsky-Korsakows "Fantasie über ein russisches Thema für Violine und Orchester" brillant die slawischen Klangfarben hervor, die man zuvor an diesem Abend vermisst hatte.
Stefan Mauß (HAZ)
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| Hannover |
Dienstag, 30. März 2006
Musik für die Augen
Das VisualizeConcert der Orchestervereinigung
Putzfrauenstreik im hannoverschen Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium? Überall liegen verwaiste Besen und Schrubber herum. Ein kurzer Blick ins Programmheft der Hannoverschen Orchestervereinigung (HOV) klärt auf: Es muss ein Programmhinweis sein. Denn gegeben wird neben Schuberts "Unvollendeter" und Mozarts Doppelkonzert KV 299 (Solisten: Ruth-Alice Marino, Harfe, und Alexander Stein, Flöte) auch Paul Dukas' "Zauberlehrling". Und dort spielt bekanntlich ein unsachgemäß verhexter Besen die Hauptrolle.
Die experimentierfreudige HOV und ihr Leiter Heinz Bethmann haben sich eine überaus originelle Präsentationsform für dieses turbulente Stück Programmmusik (und für die "Unvollendete") einfallen lassen. Das Zauberwort heißt "VisualizeConcert". Dahinter steckt die Idee, Musik nicht nur für die Ohren zugänglich zu machen.
Während die HOV energisch und klangstark aufspielt, blendet ein Videobeamer didaktische Fingerzeige über dem Orchester ein: Wann taucht welches Motiv in welcher Instrumentengruppe auf? Sind wir noch in der Exposition oder schon in der Durchführung? Ein Blick nach oben, und der Zuhörer sieht klarer, was er hört. Das kleine Einmaleins der musikalischen Formenlehre sollte er allerdings beherrschen - Formeln wie "Kanonartige Einsätze des 2. Themas (Quintfall bzw. Quartfall)" dürften Klassiknovizen Kopfzerbrechen bereiten. Trotzdem: Das Konzept ist vielversprechend - es ist lehrreich, ohne zu belehren. Und wer partout nichts lernen will, macht einfach die Augen zu und genießt die Musik pur.
Daniel Behrendt (HAZ)
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| Hannover |
Dienstag, 22. November 2005
Aus der neuen Welt
Die Hannoversche Orchestervereinigung beim NDR
Wie klingt Amerika? So vielfältig, dass es ein Kingsize-Konzert braucht, um sich ein halbwegs vollständiges Bild vom Klang der unbegrenzten Möglichkeiten zu machen. Nicht weniger als zwölf Werke von zehn amerikanischen Komponisten hatten die Hannoversche Orchestervereinigung und ihr Leiter Heinz Bethmann auf den Pulten im großen Sendesaal des NDR parat liegen.
Hinter schnöden Noten und Pausenzeichen schlummerte ein knallbunter Mix aus Symphonik, Bigbandsound und Hollywoodohrwürmern, den die tatkräftigen Orchesteramateure mit hör- und sichtbarem Enthusiasmus anpackten. In Sack und Asche musste freilich keiner der Musiker erscheinen: Zum Potpourri aus Bernsteins "West Side Story" oder zum Streifzug durch John Williams' Filmhits aus "Star Wars", "Harry Potter" & Co. machten auch Blue Jeans, ein weißes Hemd und der lässig gebundene rote Schlips eine gute Figur. Sogar Jan Gottlieb Jiracek, der in George Gershwins "Rhapsody in Blue" am Flügel brillierte, warf sich dem Anlass entsprechend in Frack und Cowboystiefel und trug die "Stars and Stripes" als Kummerbund. Jiraceks Bruder Pavel führte wendig und wortwitzig durch den Abend und punktete obendrein als komödiantisch veranlagter Gesangssolist in Aaron Coplands "Old American Songs". Zur unbestrittenen Königin des Abends avancierte die Klarinettistin Katharina Arend mit herrlich biegsamem Ton im swinginspirierten Klarinettenkonzert der Bandleaderlegende Artie Shaw.
John Cages berühmt-berüchtigtes Schweigestück "4'33''" gab schließlich wirklich allen, auch ohne Instrument und Notenkenntnisse, Gelegenheit zum "Musizieren": Totenstille auf der Bühne, Raunen, Pfeifen, Kichern und klingelnde Handys im Saal - köstlich!
Daniel Behrendt (HAZ)
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| Hannover |
Montag, 27. September 2004
Der Sonne entgegen
Die Hannoversche Orchestervereinigung in der Markuskirche
Der Herbst "der bricht Dir noch das Herz. Fliege fort! Fliege fort", bedichtete Nietzsche seine Sommerenddepression. Ähnliches hatte die Hannoversche Orchestervereinigung im Sinn, als sie am Sonnabend in der Markuskirche eine musikalische Pauschalreise offerierte. Das Ziel hieß "Bella Italia", das Land wo Canzonen und Prunkarien blühen. Der Andrang war kolossal.
Bevor es losgehen konnte, hob aber erst einmal Murren und Meutern an, weil einige Besitzer hochpreisiger Eintrittskarten den Ausflug im hinteren Teil des Gemäuers auf schnödem Gartengestühl absitzen sollten. Es wurde aber schnell alles gut. Zum einen, weil die Reiseleitung geldwerte Entschädigung in Aussicht stellte, zum anderen eröffnete Dirigent Heinz Bethmann das Konzert jetzt mit der Ouvertüre aus "Die Italienerin in Algier", Rossinis sprühendem Jugendwerk. Der ExtraChor der Niedersächsischen Staatsoper pflügte engagiert durch den Osterchor der "Cavalleria Rusticana", Sopranistin Mareke Freudenberg erntete Bravo-Ru-fe für eine elegante wie herzerwärmende Version von Verdis "Ave Maria", während Tenor Latchezar Pravtchev dessen "La Donna e mobile" unter die Decke schmetterte. Dass ihm dabei die Luft in der Höhe etwas dünn wurde, störte niemanden. Denn in den nächsten zwei Stunden ließ die HVO vom "O sole mio" bis zum "Gefangenen-Chor" aus Nabucco Belcanto-Hits satt von der Bühne rauschen und erntete verdiente Ovationen für einen ausgesprochen sonnigen Abend.
Michael Quasthoff (HAZ)
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| Hannover |
Dienstag, 11. März 2004
Sphärische Solidarität
Benefizkonzert für ukrainische Kinder in der Markuskirche
Auch ein Musikerherz befindet sich in der linken Körperhälfte. Mit der scheint der (rechte) Bogenarm des Geigers Andrej Bielow allerdings direkten Kontakt zu haben. Der 22-Jährige ist zwar kein Wunder - weder anatomisch noch musikalisch -, aber eben doch ein wundervoller Musiker. Bielow, im Jahr 2000 Preisträger des hannoverschen Violinwettbewerbs, war jetzt in einem Benefizkonzert für Waisenkinder im ukrainischen Lutugino zu erleben. Begleitet vom Kammerorchester der Hannoverschen Orchestervereinigung, zeigte er sich in Bachs "Konzert für zwei Violinen d-moll" ebenso kompromisslos wie in dem Ritornell für zwei Soloviolinen und Streichorchester "Mögen Sie Vivaldi?" von Ladislav Kupkovic humorvoll. An Bielows Seite ließ das erst zwölfjährige "Wunderkind" Victor Kuznetsow aufhorchen - vor allem aufgrund seines linken Armes. In den Zugaben bewegten sich seine Finger aberwitzig schnell über das Griffbrett.
Ganz ohne Geschmacksverstärker kam das Kammerorchester unter der Leitung von Heinz Bethmann in Edward Elgars "Serenade für Streichorchester e-moll" aus: überzeugend die unverkrampfte und direkte Musizierhaltung, erfreulich der geschlossene und bewegliche Streicherklang.
Der Mädchenchor Hannover unterstützte in der gut besuchten hannoverschen Markuskirche das Benefizprojekt mit "Seven Part Songs" für Frauenchor und Orchester von Gustav Holst. Die rund vierzig Sängerinnen übersetzten unter Chorleiterin Gudrun Schroefel die oft sphärische Klangsprache ausgesprochen plastisch und geschmeidig. Viel Applaus nicht nur für die Solidarität.
Gert Deppe
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| Hannover |
Dienstag, 23. März 2004
Fit im Alter
Jan Gottlieb Jiracek bei der Hannoverschen Orchestervereinigung
Es gibt nicht viele Klangkörper, die auf eine so lange Geschichte zurückblicken können. Die Hannoversche Orchestervereinigung feierte ihren 130. Geburtstag jedoch nicht mit großen Worten, sondern mit einem ambitionierten Festkonzert im voll besetzten Funkhaus Hannover. Nur das Beste war dafür gut genug: Beethovens 3. Symphonie und Wagners Ouvertüre zu den "Meistersingern" umrahmten das Klavierkonzert von Dvorak.
Ein wunderbares Geschenk hatte sich das Orchester selbst gemacht, indem es Jan Gottlieb Jiracek als Solisten engagierte. Der aus Hannover stammende Pianist ging Dvoraks effektvolles Werk mit Furor und Geschmack an. Mit lässiger Selbstverständlichkeit meisterte er alle pianistischen Schwierigkeiten und erzielte dabei ein bezwingendes Resultat: hier kraftvoll und reißerisch, dort so fein und zart, wie man es sich nur wünschen kann. Mit seinem rhythmisch prägnanten Spiel und unwiderstehlichen Schwung feuerte Jiracek auch das Orchester und seinen Dirigenten Heinz Bethmann an. Ihre präzise und engagierte Begleitung gipfelte in einen herrlich bombastischen Schluss.
Gegen solche Höchstleistung verblassten die beiden anderen orchestralen Prüfsteine zu Achtungserfolgen: Wagners schwelgerischer Ouvertüre fehlte nicht nur die hier so bedeutsame Tuba, sondern hin und wieder auch die klare Kontur. Und Beethovens wohlbekannte "Eroica" wurde in der etwas spannungsarmen Auf führung nicht immer höchsten Ansprüchen gerecht. Angesichts der enormen Schwierigkeiten, die beide Werke gerade einem Laienorchester abverlangen, musste man aber der souveränen Leistung der Orchestervereinigung höchsten Respekt zollen. Ihr hohes Alter merkt man dieser blühenden, zukunftsträchtigen Institution nicht an.
Stefan Arndt (HAZ)
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| Hannover |
Dienstag, 23. März 2004
Bethmann-Beethoven zum Geburtstag
HANNOVER. Beethoven zum Geburtstag: Seit 130 Jahren mischt sie auf den hiesigen Konzertpodien mit: die "Hannoversche Orchestervereinigung von 1874". Und seit 34 Jahren unter der Leitung ihres Chefs Heinz Bethmann. Mehr als 150 Konzerte hat er schon mit der Vereinigung bestritten, nun auch das Jubiläumskonzert zum Jahrestag.
Immerhin, den Großen Sendesaal am Maschsee haben sie trotz widrigsten Wetters gefüllt. Man muss schon genau hinhören, will man die etwa 70 Hobby-Musiker von Profis unterscheiden. So punktgenau kommt das gezupfte Eroica-Thema in Beethovens Dritter. Und wie das vereinigte Orchester dann den Dschungel der Mehrstimmigkeit durchforstete, klingt schon beachtlich. Im ersten Satz kam man indessen leicht außer Atem. Bethmann ließ wenig Spielraum für Spannungen. Aber dafür geriet der Trauermarsch danach so richtig warm und erdenschwer.
Begonnen hatte es mit Wagners Meistersinger-Vorspiel. Da brauchten Dirigent und Orchester etwas Zeit, bis man zu einem gemeinsamen Ablauf fand. Die Blechdominanz machte den Streichern hörbar Schwierigkeit ten. Anders bei Griegs Klavierkonzert mit Jan Gottlieb Jirasek. Der junge hannoversche Pianist zog erst einmal rhythmische Korsettstangen ein. Etwas pathetisch, aber gut für sicheres Zusammenspiel. Mehr Lyrik konnte er sich im langsamen Satz leisten. Volkstümlich der Schluss: locker und spritzig, rasant in den virtuosen Kurven.
G. H. (NP)
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| Hameln |
Dienstag, 2. Dezember 2003
Frisch, charmant, bezaubernd: Dieses Konzert bleibt unvergessen Foto
Von Nicole Schreiber
Polizeichöre Hameln und Nürnberg sangen / Orchester aus Hannover
Sie wollten mittels zauberhafter Musik aus dem grauen Alltag entführen, und das gelang den Polizeichören Hameln und Nürnberg sowie der Hannoverschen Orchestervereinigung wieder einmal hervorragend. In Oper, Operette, Musical oder Volksliedern fühlten sich die Hamelner gleichermaßen zu Hause und sangen sich sicher durch jeden Bereich der Musikwelt. Dabei stellten sie ihr alles andere als laienhaftes Potenzial erneut durch hohe Präsenz und Lebendigkeit unter Beweis.
Doch der Hamelner Polizeichor bot auch optisch einen Genuss, als er sich zu Lortzings „Zar und Zimmermann" kurzweilig im ¾-Takt zu wiegen begann. In den solistischen Passagen dieser Oper bestach Heinz Maraun, der nicht nur mit voller Stimme, sondern auch mit Charme und Humor das Publikum eroberte. Es schlossen sich „Warum sollten wir nicht froh sein" und „Mädel komm und tanz" aus Smetanas „Die verkaufte Braut" voller Dynamik an, wobei die Sängerinnen und Sänger gerade auch die anspruchsvollen Passagen im Piano perfekt meisterten.
Mit den herausgearbeiteten Facetten der Liebe – mal frisch, mal verhalten, leicht melancholisch, forsch oder lieblich – des Liebeslieder-Walzers (op. 52) von Johannes Brahms entließen die Hamelner schließlich in die Pause.
Auch der Gastchor aus Nürnberg unter der Leitung von Pius Amberger beherrschte sein Repertoire und verzauberte mit vollen, kräftigen Männerstimmen. „Zauberflöte", der Jägerchor aus dem „Freischütz", populäre Filmmelodien von „Ein Freund, ein guter Freund" bis „Das gibt´s nur einmal" ließen Mitsummen und beim „Ich hätt´ getanzt heut´ Nacht" (My Fair Lady) schwelgen. Im zweiten Programmteil entführten die Hamelner dann in die Welt des Musicals von „Phantom der Oper" bis zu „Cats".
Melodien aus „Anatevka" und der „Die Fledermaus" folgten, bevor der Nürnberger Chor ein wunderschönes Weihnachtspaket aus vertrauten Liedern schnürte. Zum großen Finale vereint boten beide Chöre zusammen mit dem Orchester ein imposantes Arrangement von „Vom Himmel hoch" und „Stille, Nacht, heilige Nacht". Musikdirektor Wolfgang Maria Sieben hatte somit wieder ein Feuerwerk musikalischer Genüsse mit hochkarätiger Orchesterbegleitung inszeniert. Für den verbindenden roten Faden zwischen den Programmteilen sorgte gewohnt charmant und mit Esprit Kriminaldirektorin Heike Fischer. Selbstverständlich durften nach einem solchen Konzert die Chöre nicht ohne Zugabe die Bühne verlassen.
(Dewezet)
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| Hannover |
Dienstag, 23. September 2003
Generation Wolf
Die Orchestervereinigung gibt ein Familienkonzert Plakat
Musikbegeisterte Kinder dürften derzeit in Niedersachsen gewisse Termin-Schwierigkeiten haben. Nachdem die "Niedersächsischen Musiktage" unter dem Thema "Kinder" stattfanden, meldete sich jetzt im Funkhaus auch die Hannoversche Orchestervereinigung mit einem Familienkonzert zu Wort. Das Programm hatte in sympathischer Weise für Kinder aller Altersstufen etwas "Bezauberndes" aus der Sagen- und Märchenwelt zu bieten. Dirigent Heinz Bethmann hatte die Musiker auf den Punkt vorbereitet und begann mit der Fanfare aus John Williams Filmmusik "Star Wars" Die klang hier allerdings so sehr nach Militärmarsch, als hätte Friedrich der Große diesen (Klang-) Krieg geführt. In Williams "Harry Potter"-Suite spielte das Orchester später schon wesentlich freier und überzeugender mit der Kinoklangwelt.
Durch die kindgerechte Moderation Rudolf Kriegers blieb das junge Publikum auch bei den Ausschnitten aus Griegs "Peer Gynt" gebannt auf seinen Plätzen, zumal die Orchestervereinigung nach einem etwas zu verzagten "Brautraub" facettenreich duftig Anitras Tanz darbot und es gleich darauf in der "Halle des Bergkönigs" so richtig krachen ließ. Gewohnt vielseitig zeigten sich auch die Sopranistin Dörte Blase und ihre Schwester Heidrun (Alt), die in dem für Kinder eher ungewohnten Belcanto-Duett "Alle piu care" aus Rossinis "Semiramide" genauso stimmsicher wie perfekt aufeinander eingespielt waren wie in den Ausschnitten aus Humperdincks "Hänsel und Gretel".
Nach der Pause überzeugte das Experiment, Paul Dukas "Zauberlehrling" mit Goethes Balladentext zu kombinieren, die der Sprechchor Hannover unter der Leitung von Engelberg Georg hinreißend klangmalerisch beisteuerte. Mit dem "Fischer" des Weimarer Dichterfürsten demonstrierte er anschließend, dass der Chor auch ohne symphonische Unterstützung Wassermassen klangstark und mitreißend zu bewegen versteht.
Durch das abwechslungsreiche Programm fiel dem Publikum das Warten auf den Wolf in Form von Prokofjews symphonischem Märchen dann auch nicht schwer. Mit Pavel Jiracek hatte man einen klangfarbenreichen Sprecher gefunden, der mit der unvergleichlich humanistisch-humoristischen Loriot-Version des Textes nicht nur die Augen der Kinder zum Leuchten brachte. Die "Generation Wolf" war begeistert.
Stefan Mauß (HAZ)
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| Hannover |
Dienstag, 18. März 2003
Lieder vom Frühling
Die Hannoversche Orchestervereinigung
Draußen kündete strahlender Sonnenschein vom nahenden Frühling, drinnen erklangen Lieder vom "letzten Frühling" und von "blauen Düften", die "in dämmrigen Grüften" erträumt werden. Doch trotz aller Mollklänge kam beim Konzert der Hannoverschen Orchestervereinigung im Landesfunkhaus Hannover keine trübe Stimmung auf. Stargast Gabriele Fontana intonierte die "Vier letzten Lieder" von Richard Strauss mit bewundernswerter Textverständlichkeit, mit Wärme und Resonanz in den tieferen Tönen und mit agiler Höhe. Den Balanceakt zwischen abgeklärter Naivität und virtuoser Attitüde meisterte das langjährige Ensemblemitglieder der Staatsoper, das in Hannover nicht vergessen ist, souverän. Dirigent Heinz Bethmann legte ihr zusammen mit der Orchestervereinigung einen manchmal sogar luxuriös schillernden Klangschal um die Schultern.
Begonnen hatten die Streicher mit elegant elegischen Melodien von Grieg. Und zum Abschluss zeigten Bethmann und seine Musiker bei Tschaikowskys 5. Sinfonie, wie man mit kontrolliertem Überschwang auch kleine Klippen überwindet. Viel Beifall.
Rainer Wagner (HAZ)
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| Laatzen |
Montag, 10. März 2003
Hannoversche Orchestervereinigung brilliert vor 130 Zuhörern in der Immanuelkirche
Paukendonner und Streicherfortissimo
Das war Maßarbeit: Just als Dirigent Heinz Bethmann von der Hannoverschen Orchestervereinigung mit seinem Taktstock den letzten Klang anzeigt und der Nachhall des Tons soeben in der Immanuelkirche verklingt, schlägt die Turmuhr. Wie zum Beweis, dass sich die Prophezeiung der Kantorin Cornelia Jiracek nicht bewahrheitet hat. Sie hatte zu Konzertbeginn versichert, der Vortrag der Sinfonie Nr. 5 in e-Moll, opus 64 von Peter Iljitsch Tschaikowsky habe einen Klang, "da fliegt glatt das Dach weg. Doch die Kantorin hatte am Sonnabendabend nur unwesentlich übertrieben. Der Vortrag der Orchestervereinigung hat es in sich: Das Spiel der Streicher ist so kraftvoll, dass der Zuhörer fast meint, den Klang im Kirchenraum mit den Händen greifen zu können. Die Pauke steigert sich zu einem Donnerwirbel, und die Bläser treiben das Spiel zu einem fulminanten Finale. Aber auch die leisen Töne liegen der Orchestervereinigung, wie sie nicht nur in den ruhigeren Passagen der Sinfonie von Tschaikowsky beweist. Weich schmeicheln die Streicher auch bei Edvard Griegs "Herzwunden" und "Letzter Frühling", die wie Joseph Haydns Konzert für Violincello und Orchester in D-Dur, opus 101, zuvor den Abend eingeleitet haben. Die 70 Musiker bereiten den Zuhörern ein eindrucksvolles Konzerterlebnis - und ernten entsprechenden Applaus. Dass in der Kirche einige Bänke frei blieben, dürfte indes nicht an der ernsten, sondern viel mehr an kaum ernst zu nehmender Musik gelegen haben: Im Fernsehen lief zeitgleich das Finale Bohlen'scher Nachwuchssänger-Suche. Umso mehr freute sich Jiracek über die etwa 130 Gäste, die klassischen Tönen den Vorzug gaben. "Und ich denke, dass wir Ihnen heute hier ganz viele Superstars zeigen können", sagte sie an das Publikum gewandt.
Die nächste Gelegenheit, die Hannoversehe Orchestervereinigung zu hören, bietet sich übrigens am Sonntag, 16. März. Dann treten die Musiker mit leicht geändertem Programm von 17 Uhr an im Großen Sendesaal des NDR in Hannover auf.
st (Laatzener Leinebote)
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| Hameln |
Montag, 2. Dezember 2002
Die Polizei als Chor - einfach mitreißend
Traditionelles Weihnachtskonzert des Polizeichores mit Gästen: Zwei Vorstellungen sorgten für Furore
Von Nicole Schreiber
Hameln. Unter dem Motto "Polizei singt und musiziert zur Weihnachtszeit" entführte der Hamelner Polizeichor in die zauberhafte Welt der Musik. Unter der Gesamtleitung des Musikdirektors Wolfgang Maria Sieben hielten die Chöre und das Orchester in zwei ausverkauften Vorstellungen im Theater am Samstag ein umfangreiches Programm bereit.
Während im ersten Programmteil Melodien aus Oper, Operette und Musical vorherrschten, wurde es im zweiten Teil vorweihnachtlich und festlich. Durch das Programm führte wieder Kriminaldirektorin Heike Fischer, die charmant und humorvoll die einzelnen Stücke miteinander verband. In diesem Jahr hatte der Polizeichor die Hannoversche Orchestervereinigung zu Gast, die mit hohem Niveau bereits mit der Ouvertüre, dem Vorspiel zum 3. Akt des "Salomon" von Georg Friedrich Händel in die imposante Welt großer Komponisten entführte. Es folgten unter anderem "Schon die Abendglocken" von Kreutzer, bei denen der Chor - ob im pianissimo, legato oder crescendo - brillierte, sowie Melodien aus dem "Freischütz", bei denen die Solistin Tatjana Rodenburg mit ihrem klaren Sopran und Publikumsnähe begeisterte. (...)
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| Hannover |
Dienstag, 24. September 2002
Mit Gästen: Hannoversche Orchestervereinigung beim NDR
Spanischer Marathon
Es mag ein Bezug auf die lange Geschichte der Hannoverschen Orchestervereinigung gewesen sein: Der "Spanische Abend“ im Landesfunkhaus war bunt und umfangreich wie ein Konzert aus dem 19. Jahrhundert. Neun Komponisten von Telemann bis Ravel standen auf dem Programm, dazu musikalische Erläuterungen, Gedichtrezitation und Flamenco. Eine Fülle, die andernorts für eine ganze Konzertreihe gereicht hätte.
So gönnte man sich auch gleich zwei hochkarätige Solisten: Der preisdekorierte Geiger Andrej Bielow, der schon vor acht Jahren als "Wunderkind“ mit dem Orchester musizierte, entzündete ein virtuoses Feuerwerk in der "Carmen-Phantasie“ von Pablo de Sarasate – dem Werk eines Spaniers, der sich der Themen seines französischen Kollegen Bizet annahm. Edouard Lalos Cello-Konzert dagegen ist ein spanisch inspiriertes Stück eines französischen Komponisten. Nikolai Schneider, Solo-Cellist der Radiophilharmonie Hannover, musizierte es temperamentvoll und farbig.
Nikolai Rimski-Korsakows "Capriccio espagñol" und Maurice Ravels "Alborada del gracioso" gaben dem Orchester Gelegenheit, alleine zu glänzen. Wie die für ein Liebhaberorchester horrenden Schwierigkeiten dieser Werke gemeistert wurden, nötigte Respekt ab. Sicher und beruhigend führte Heinz Bethmann seine Orchestervereinigung durch die Tücken der Partituren. Dass spanische Leidenschaften dabei auf der Strecke blieben, wurde durch die mitreißenden Einlagen des Flamenco-Trios "Elva La Guardia“ mehr als ausgeglichen. Die Zuhörer im gut gefüllten Funkhaus dankten es mit herzlichem Applaus.
Stefan Arndt (HAZ)
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| Hannover |
Dienstag, 19. Februar 2002
Mitreißender Nachwuchs
"Jugend musiziert": Vier Preisträger in Laatzen
Vier Solokonzerte nacheinander gibt es nur selten an einem Abend. Beim Konzert der Hannoverschen Orchestervereinigung in der Laatzener Immanuelkirche sollte diese Programmzusammenstellung nicht die einzige Überraschung bleiben. Das Orchester hatte sich unter der Leitung seines mit großer Übersicht agierenden Dirigenten Heinz Bethmann vier hochkarätige "Jugend musiziert" - Preisträger als Solisten gesichert.
Den Beginn machte Igor Levit mit Beethovens erstem Klavierkonzert. Bereits hier zeigte sich, dass die jungen Künstler mit der prächtig disponierten Orchestervereinigung einen guten Begleiter gefunden hatten. Bethmann ging das Allegro con brio zwar noch etwas behäbig und holzschnittartig an, folgte aber bald dem musikalischen Einfallsreichtum Levits, der sehr sorgsam, aber nahezu mühelos die Nuancen des Werkes herausarbeitete.
Als zweite Kandidatin stellte sich Ricarda Kindt mit Webers Klarinetten-Concertino op. 26 vor. Die Orchestervereinigung war mit Webers eher obligaten Begleitstimmen kaum gefordert und beschränkte sich aus musikalische Stichwortgeben. Kindt nutzte die Impulse zu einer Interpretation wie aus einem Guss. Sicher navigierte sie ihre Klarinette durch die halsbrecherischen Skalen, spannend spielte sie mit den häufigen Dynamikwechseln und vermochte durch kluge Atemtechnik größte
musikalische Bögen ohne Klangeinbußen auszuformen.
Dass sich der erst zwölfjährige Niklas Liepe an Bruchs Violinkonzert wagte, war an sich schon eine Sensation - dass er es so mitreißend bewältigte, war die zweite Überraschung. Wie dieser begabte junge Geiger erst mit Mitte zwanzig spielen wird? Das musikalische Sahnehäubchen setzte Claudius Müller dem Abend mit dem Hornkonzert von Richard Strauss auf. Schon mit dem eröffnenden Dreiklangsruf demonstrierte Müller technische Sicherheit und packenden Zugriff. Und diesen Ball nahm die Orchestervereinigung sofort auf und wurde nicht nur in den Dialogsequenzen mit Klarinette und Fagott zum hinreißenden musikalischen Diskussionspartner des Solisten.
Müllers stets fokussierter Ton sowie sein vorwärts drängendes Musizieren rissen (trotz einer minimalen Unkonzentriertheit am Schluss des Andantes) das Publikum einfach mit, das sich bei der Orchestervereinigung und den jungen Solisten mit viel Applaus für einen ungewöhnlichen Konzertabend bedankte. Er bewies zudem, dass man sich hier zu Lande trotz Pisa-Studie zumindest um den musikalischen Nachwuchs keinerlei Sorgen zu machen braucht.
Stefan Mauß (HAZ)
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| Hannover |
Im Bann
Orchestervereinigung feiert mit Antje Weithaas
Das Publikum schwieg gebannt, lauschte dem Klangzauber: Die Violinistin Antje Weithaas nahm die Zuhörer als Stargast beim Jubiläumskonzert zum 125-jährigen Bestehen der hannoverschen Orchestervereinigung im Großen Sendesaal des NDR gefangen.
Mendelssohn Bartholdys e-Moll-Violinkonzert präsentierte sie technisch versiert, und zwar sowohl im Hinblick auf Fingerfertigkeit als auch im Erdenken und Erfühlen der Musik. Ob ausdrucksvoll-bewegtes Hauptthema im Eröffnungssatz, ob typisch mendelssohnsche Kantilene im Andante - immer traf Weithaas den richtigen Ton.
Souverän begleitet wurde sie durch die Orchestervereinigung unter der Leitung von Heinz Bethmann, die das restliche Programm des Abends allein bestritt. Beispielsweise die am Anfang stehende "Akademische Festouvertüre" von Johannes Brahms. Deren Festlichkeit allerdings fehlte den Hannoveranern zuweilen. Umso besser gelang der "Cantus in memory of Benjamin Britten" des in Estland geborenen Komponisten Arvo Pärt. Den Schlusspunkt setzte Prokofieffs "Symphonie classique". Das Ensemble zeigte sich hier von seiner besten Seite: leicht und heiter floss die Musik dahin, melodisch klar und anmutig. Das Publikum bedankte sich mit viel Beifall.
Sal (HAZ)
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| Hannover |
Funkhaus
Biß der Celli
Ein statischer Triller: Er steht wie eine Säule. Beginnende Bewegung in der Musik: Er geht in die Knie, drängt nach vorn. Spitzentöne: Er schleudert sie auf Zehenspitzen ins Publikum. Ulf Hoelscher spielt nicht Geige, verkörpert die Musik, ungewöhnlich intensiv und elegant.
Die Hannoversche Orchestervereinigung hatte den Geiger zum Jubiläums-Festkonzert ("120 Jahre Musikkultur") eingeladen, Hoelscher setzte einen im Gedächtnis bleibenden Höhepunkt. Seiner Bühnenpräsenz entsprach sein Spiel, dem man in der kräftigen Virtuosität des ersten Satzes (Beethovens Violinkonzert) noch mangelnde Zärtlichkeit unterstellen konnte. Eine Vermutung, die Hoelscher im Larghetto sanft und innig widerlegte.
Das Orchester begleitete trotz großer Besetzung sensibel. Kein auftrumpfendes Forte erschlug den Solisten. Diese positive Zurückhaltung hatte der Dirigent Heinz Bethmann den Musikern auch in Dvoràks achter Sinfonie nahegelegt. Zumindest den Trompeten und Hörnern, von denen man gern Kräftigeres gehört hätte. Den "Biß" in der Musik fanden vor allem die Celli und Posaunen, die dem Orchester Impulse setzten und es zu feurigem Musizieren anregten.
Die Hannoversche Orchestervereinigung zeigte sich als Liebhaberorchester erster Güte, in dem es vor allem um musikalisches Musizieren ging. Die zahlreichen Zuschauer quittierten es mit lebhaftem Beifall.
Sal (HAZ)
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| Hannover |
Markuskirche / Die Hannoversche Orchestervereinigung
Ein Klavier im Brunnen
"Die Markuskirche ist nicht die Carnegie Hall." War es eine Entschuldigung, gar eine Warnung, was der Musik mündlich vorausgeschickt wurde? Für die Hannoversche Orchestervereinigung bedeutete der Auftrittsort am Lister Platz die zweite Wahl, für manche der vielen Zuhörer eine besondere Attraktion. Wenig Vergnügen blieb dem Solisten, denn kaum ein anderes Instrument wirkt in der Atmosphäre einer Kirche so deplaziert wie ein moderner Flügel, jenes Instrument, das nicht zuletzt in der bürgerlichen Emanzipation von kirchlicher Allmacht groß geworden ist. Wo Chorstimmen weihevoll verhallen, klingt das Klavier, als sei es in einen Brunnen gefallen.
Markus Becker tat sein Bestes, das Kind, respektive Klavier, aus dem Brunnen zu holen, und setzte in Beethovens viertem Klavierkonzert auf Klarheit. Er strukturierte die Lyrik des ersten Satzes, lotste das Orchester mit markanten Orientierungslichtern durch den Nebel der Passagen. Vom Grundgedanken eines Solokonzertes, dem Wechselspiel zwischen Kollektiv und einzelnem, blieb im Dialog des zweiten Satzes noch am meisten übrig. Dem dunklen Streicherklang stand die lichte Stimme des Pianisten gegenüber, als ginge es doch um Religiöses: Tag und Nacht wurden geschieden. Und in der Zugabe, der letzten Nummer aus Chopins Etüdensammlung Opus 25, meißelte Becker die entscheidenden Töne heraus wie einen Passsionschoral.
Sehr erdennah und farbenreich kamen die Grüße aus der Neuen Welt an, die Antonin Dvoràk einst als neunte Sinfonie über den großen Ozean schickte. Da war zu spüren, dass das Orchester etwas zu erzählen hat. Die Themen Dvoràks, mehr Melodie als sinfonisches Material, erhielten Kontur und Charakter, Übergänge erzeugten Spannung. Heinz Bethmann, als Dirigent eine eher nüchterne Erscheinung, muss über seinen Musikern in den Proben ein Füllhorn von Emotionen ausgeschüttet haben. Kurz vor Schluß mißfiel dann noch ein Handy-Zwischenfall, der erst nach dem dritten Klingeln beigelegt werden konnte. Oder war das etwa der Anruf von drüben? Die Einladung in die Carnegie Hall?
Wet  (HAZ)
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| Hannover |
Orchestervereinigung fährt nach Polen
Die Hannoversche Orchestervereinigung bricht heute zu einer Konzertreise nach Polen auf. In der 120jährigen Geschichte der Vereinigung ist dies eine Premiere. Die 50 Musiker werden bei ihren Auftritten in Breslau und Waldenburg von 22 Mitgliedern des polnischen Sudetenorchesters unterstützt. Als Solist konnte für beide Konzerte das 12jährige Wunderkind Andriej Bielow gewonnen werden. Am 1. Juli wird sich (die) Orchestervereinigung im Großen Sendesaal des Funkhauses mit einem Jubiläumskonzert präsentieren.
Uj (HAZ)
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